Schmoren
Die langsame Zubereitung aus Grossmutters Küche: Warum Kollagen das Geheimnis ist, welche Stücke sich eignen und das Grundrezept in sechs Schritten.

Schmoren verwandelt bindegewebsreiches Fleisch in butterzarte Gerichte: Bei 70 bis 80 °C Kerntemperatur und mehreren Stunden Zeit wandelt sich das Kollagen in Gelatine um, die das Fleisch saftig hält. Geeignet sind alle Stücke, die beim Kurzbraten zäh bleiben: Ragout, Braten von Schulter und Bauch, Haxen, Oxtail, Bäckli, Ribs, Brisket, Saftplätzli und Siedfleisch. Das Grundrezept braucht nur einen Bräter, zuerst Fleisch scharf anbraten, dann Schmorgemüse, mit Wein ablöschen, Bouillon und Kräuter dazu und 3 bis 4 Stunden geschlossen schmoren.
Portionen
4 bis 6 Portionen
Vorbereitung
30 Min.
Zubereitung
je nach Stück
Fleisch anbraten
Etwas Öl im Bräter erhitzen und das Fleisch scharf anbraten, bis sich eine schöne Kruste bildet. Nur mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann auf einem Teller ruhen lassen. 3 bis 5 Minuten genügen.
Schmorgemüse anbraten
Das vorbereitete Schmorgemüse in den Bräter geben und anschwitzen. Es darf ruhig Farbe nehmen, nicht schwarz werden: Das gibt später die Röstaromen. Nach Belieben Tomatenpüree dazu.
Ablöschen
Mit einer guten Flasche Wein ablöschen und den Alkohol rund 5 Minuten bei grosser Hitze einkochen lassen. Nicht alles verdunsten lassen, sonst stockt der Zucker im Bräter.
Fleisch, Kräuter und Bouillon beigeben
Fleisch, Kräuter, die halbierte Zwiebel und die Bouillon zugeben. Lorbeerblatt und Nelke lassen sich an der Zwiebelhälfte feststecken.
Schmoren
Mindestens 3 bis 4 Stunden mit geschlossenem Deckel garen: im Ofen bei rund 140 °C oder auf dem Herd bei kleiner Stufe, ohne dass es kocht. Je länger, desto besser.
Servieren
Rustikal direkt aus der Pfanne mit dem Sud, nach Belieben mit Crème fraîche verfeinert. Feiner: Fleisch und Gemüse warmhalten, Sud entfetten, sieben, reduzieren und als Sauce anrichten.
| Kategorie | Stücke | Warum |
|---|---|---|
| Ragout und Geschnetzeltes | Ragout vom Rind, Lamm, Söili | viel Bindegewebe, wird im Sud zart |
| Braten | Schulter, Bauch, falsches Filet | durchzogen, hält die Feuchtigkeit |
| Haxen und Extremitäten | Ossobucco, alle Haxen, Oxtail | sehr kollagenreich |
| Delikatessen | Bäckli, Zunge, Siedfleisch | brauchen Zeit und Sud |
| Grosse Cuts | Ribs (Rind, Schwein), Rinderbrust (Brisket), Saftplätzli | Fett und Bindegewebe als Saftpuffer |
Kurzbratstücke wie Filet, Hohrücken und Entrecôte gehören nicht in den Schmortopf: Über 65 °C trocknen sie aus, statt zart zu werden.
| Schmoren | Niedergaren | |
|---|---|---|
| Ofentemperatur | 100 bis 150 °C | ca. 80 °C |
| Garzeit | 2 bis 3 Std. | oft 3 bis 6 Std. |
| Flüssigkeit | im Sud und in Sauce | im eigenen Saft, ohne Flüssigkeit |
| Saftverlust | etwas mehr, vom Sud ausgeglichen | minimal |
| Ideale Stücke | Gulasch, Haxen, Braten, Siedfleisch | Filet, Entrecôte, edle Kurzbratstücke |
Das Geheimnis ist das Kollagen im Bindegewebe, aus dem auch Sehnen und Knorpel bestehen. Bei langem, langsamem Garen wandelt es sich in Gelatine um, und die sorgt dafür, dass das Schmorstück nicht austrocknet, sondern mit der Garzeit immer saftiger wird.
Dafür braucht es Zeit und eine konstante Temperatur: über mehrere Stunden bei 70 bis 80 °C Kerntemperatur. Ein Kurzbratstück wie Filet würde bei diesen Temperaturen völlig austrocknen, beim Schmorfleisch fängt der Prozess dort erst an.
Das Gegenteil von kompliziert: Schmorgerichte sind schnell vorbereitet und können Stunden vor dem Besuch angesetzt werden. Der Ofen erledigt den Rest, Sauce und Gemüse kommen gleich mit.
Dazu kommen einzigartige Aromen durch Röstung und Sud, eine Konsistenz mit Charakter, die geschmacksreicher ist als Filet und Entrecôte, und mit Polenta, Spätzli, Kartoffelstock oder Risotto eine vollkommene Mahlzeit.
Ein grosser Bräter aus Gusseisen mit Deckel ist ideal: Er erzeugt beim Anbraten die nötige Hitze und verteilt sie beim Schmoren gleichmässig. Wichtig ist der Deckel, damit nicht zu viel Flüssigkeit entweicht.
Geschmort wird an jeder Hitzequelle: Herd, Ofen, Big Green Egg oder Ofyr. Der Ofen liefert die besten Resultate, weil die Hitze gleichmässig von allen Seiten kommt.
Mit der Flüssigkeit experimentieren: Wein, Bouillon, Bier oder Kombinationen davon geben dem Sud Charakter. Kräuter können gebündelt als Bouquet garni oder lose in die Sauce.
Und Geduld ist die Würze: Wer den Sud am Ende entfettet, siebt und reduziert, bekommt eine cremige Sauce, die das ganze Gericht veredelt. Das Fleisch dabei im Ofen bei 55 bis 60 °C warmhalten.

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Das Kollagen im Bindegewebe wandelt sich bei langem Garen bei 70 bis 80 °C in Gelatine um, die das Fleisch saftig hält.
Alle bindegewebsreichen: Ragout, Braten, Haxen, Oxtail, Bäckli, Ribs, Brisket, Saftplätzli und Siedfleisch.
Kurzbratstücke wie Filet, Hohrücken und Entrecôte. Über 65 °C trocknen sie aus, statt zart zu werden.
Mindestens 3 bis 4 Stunden mit Deckel bei rund 140 °C im Ofen oder kleiner Stufe auf dem Herd. Je länger, desto besser.
Wein, Bier, Bouillon oder Kombinationen. Etwa 1 Liter Flüssigkeit plus 500 ml Bouillon für ein Grundrezept.
Ein Gusseisen-Schmortopf mit Deckel: erzeugt Hitze fürs Anbraten und verteilt sie beim Schmoren am gleichmässigsten.